Geistliche Impulse zur Jahreslosung

Andachten

Andacht zur Jahreslosung 2012

von Jürgen Kehrberger, Fachlicher Leiter des ejw

Jesus Christus spricht:
Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig.
(2. Korinther 12,9)


Klatsch und Tratsch

Nach dem Aufräumen kamen die Mitarbeitenden noch ins Gespräch: „Die Predigt des Referenten war sehr inspirierend.” „Hat mich sehr berührt, was er gesagt hatte”, „Wir haben für unsere Arbeit wieder ganz neu eine Vision erhalten”. Jemand gab zu bedenken: „Unser Hauptamtlicher kann eben überhaupt nicht predigen, bei ihm ist es richtig langweilig.” Wieder andere lobten die Gemeinde, aus der der Referent kam. „Da ist einfach viel mehr los”, „eine lebendige Jugendgemeinde”, „viele die sich engagieren”, „ein gut besuchter Gottesdienst”, „hohes Spendenaufkommen, das zur Finanzierung weiterer professioneller Kräfte hilft”, „die Gemeinde beschäftigt sich auch mit den wichtigen Zukunftsthemen: Milieusensible Jugendarbeit”. Einer aus der Gruppe, der gerne das letzte Wort hat: „Es liegt halt doch an den Hauptamtlichen.”

Gemeinde in der Krise

Aus ganz unterschiedlichen Gründen kann in einer Gemeinde eine Krise ausbrechen. Der 2. Korintherbrief dokumentiert solch eine schwere Krise zwischen Paulus und der dortigen Gemeinde. Diese Krise wurde durch Mitarbeiter ausgelöst, die den Anspruch erhoben, in besonderer Weise vom Geist Gottes erfüllt zu sein. Sie beeindruckten mit ihrer Art die Gemeinde. Viele Gemeindeglieder fanden die „Neuen” Paulus gegenüber geistlich überlegen. Die Korinther erwarteten von einem Hauptamtlichen Großartigkeit, Glanz, menschliche Stärke. Da Paulus spürte, dass es nicht nur um Ansichten geht, sondern um das rechte Verständnis des Evangeliums, muss er sich auf die Diskussion um seine Person einlassen. Paulus nennt seine Gegner ironisch „Wichtigtuer”. Paulus, leicht genervt, ringt um eine Antwort.

Mit Gott lassen sich großartige Erfahrungen machen

Paulus bestätigt, dass man mit Gott wirklich großartige Erfahrungen machen kann. Das gilt auch für uns heute. Ich denke an Julius, der 12 Jahre alt ist und sagt: „Klar kenne ich Jesus” oder an die Juristin Katharina: „Jesus bedeutet in meinem Leben, dass Gott mir nahe ist.” Andere erleben, dass sie begleitet durch Gebete wieder gesund werden und danken für die Gebetserhörung. Wir spüren, was Bonhoeffer einmal so formulierte: „Das Leben Jesu Christi ist auf der Erde noch nicht zu Ende gebracht. Christus lebt es weiter in dem Leben seiner Nachfolger.” Es ist herausfordernd, einmal im Zusammensein mit anderen über solche Erfahrungen zu sprechen. Wir können in einem solchen Austausch die ganze Breite von der göttlichen Erfahrung bis zur menschlichen Einbildung zur Sprache bringen.

Schwäche bejahen

Paulus erkennt, dass der Glaube in Schiefl age kommt, wenn er nur die positiven Erfahrungen mit Gott darstellt. Paulus weiß konkret aus eigner Erfahrung um nicht erhörte Gebete. Diese unerhörten Gebete sind wie ein Stachel. Es bleibt unklar, was Paulus in seinem Leben beeinträchtigt. Durch sein Beten erfährt er keine Linderung, aber eine Antwort von immenser Tragweite: „Lass dir an meiner Gnade genügen, denn meine Kraft ist in den Schwachen mächtig.” Die Erfahrung von unerhörten Gebeten lässt uns immer wieder verstummen. Wir haben keine Antwort. Die Jahreslosung erinnert uns daran, dass Gott am Kreuz, also in der größten für uns denkbaren Schwachheit, seine größte Kraft entfaltet. Er besiegt den Tod und hält den Himmel offen. Wir finden Gott also nicht nur in den tollen Erfahrungen, sondern in der Schwachheit unseres Alltages. In der Gemeinde-Jugendarbeit leben wir nicht von unseren Taten und seien sie noch so toll. Wir leben vielmehr von dem, was wir nicht sehen und doch glauben. Wir sehen schwindende Mitgliederzahlen – und glauben daran, dass Christinnen und Christen Licht in der Welt sind. Wir sehen und erleben sehr unterschiedliche religiöse Vorstellungen und glauben an Gottes Wahrheit. Wir sehen die Abkehr von Gott und nehmen sie immer wieder auch bei uns wahr – und glauben an die Treue Gottes. Wir erleben unsere begrenzte Kraft und Zeit, wenn es darum geht, Gemeinde weiter zu entwickeln oder die eigene Spiritualität zu gestalten – und glauben daran, dass Gottes Kraft in uns mächtig ist.

aus:
Kraft:Wort
Andachten 2012
zu beziehen bei:
buch+musik
Buchhandlung und Verlag des ejw

geschrieben am 27.12.2011 um 11:40 Uhr.


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