Geistliche Impulse zur Jahreslosung

Andachten

Andacht zur Jahreslosung 2010

von Jürgen Kehrberger, Fachlicher Leiter des ejw

Euer Herz erschrecke nicht!
Glaubt an Gott und glaubt an mich!
Johannes 14,1


Nicht erschrecken!

„Nicht erschrecken! Ich hatte einen Unfall; mir ist nichts passiert.“ Wer diese Worte am Telefon hört, erschrickt. Selbst wenn der Inhalt dieser Worte etwas ganz anderes sagt. Situationen, in denen wir erschrecken, sind für jeden ganz unterschiedlich. Es kann sein, dass wir schwierige Nachrichten aufzunehmen haben und deshalb erschrecken. Erschrecken kann auch durch eine Krankheitsdiagnose ausgelöst werden oder durch die Benachrichtigung, dass eine Prüfung nicht bestanden wurde.

Keine Panik!

Die Jünger Jesu erschrecken, weil sich Jesus von ihnen verabschiedet. Schon die Ankündigung des Abschieds erschüttert die Jünger. Sie fühlen sich alleine gelassen. Sie wollen wissen, wo Jesus hingeht. Petrus fragt: „Herr, wo gehst du hin?“ Jesus versucht zu erklären, wo er hingeht: „Wo ich hingehe, kannst du mir diesmal nicht folgen.“ Er erzählt ihnen von seinem Sterben und Auferstehen und kündigtseine Rückkehr zu Gott, dem Vater, an. Doch die Jünger sind mit ganzanderen Gedanken beschäftigt. Sie denken an die Jahre mit Jesus zurück: Nichts in ihrem bisherigen Leben hatte sie so radikal verändertwie die Begegnung mit Jesus. Das gemeinsame Unterwegssein, das gemeinsame Leben – das alles soll nun zu Ende sein? Dass sie Jesus nachfolgen könnten, ohne dass er ganz real und leiblich anwesend vor ihnen hergeht, war für sie noch nicht vorstellbar. Dass sich diejenigen, die an Jesus Christus glauben, zu einer Gemeinde zusammenfinden und sich gegenseitig im Glauben stärken würden, war für sie noch nicht denkbar.

Mit dem Abschied Jesu entstehen bei den Jüngern Ängste: Ratlosigkeit, Heimatlosigkeit, Existenzangst, Zukunftsangst, Wahrheitssuche. In diese Angst hinein erfolgt der Ruf zum Glauben: „Glaubt an Gott und glaubt an mich!“ Der Weg aus dieser Krise führt über den Glauben. Was immer unsere Unruhe auch nähren mag, es gilt: Standfestigkeit, Beruhigung ergibt sich aus der Geborgenheit bei Gott. Mit unseren Ängsten und unseren Grundfragen sollen wir direkt unter das Dach der Worte Jesu fliehen. Wenn uns der Schrecken ins Gesicht geschrieben ist und der Schock in den Gliedern sitzt, sind Glauben und Vertrauen geboten: „Euer Herz erschrecke nicht! Glaubt an Gott und glaubt an mich!“

Raum zum Leben

Jesus begründet seine dreifache Aufforderung – nicht zu erschrecken, an Gott und ihn zu glauben – damit, dass er für einen Lebens- und Schutzraum sorgt: „In meines Vaters Haus sind viele Wohnungen.“ Mit dem Bild der Wohnung spricht Jesus die tiefe Sehnsucht nach einem Zuhause an. Neben dem Dach über dem Kopf brauchen wir dringend ein Dach für die Seele. Das finden wir in Freundschaften, Partnerschaften, in der Familie und endgültig bei Gott. Wie äußerlich unbehaust wir auch sein mögen, bei Gott ist Lebensraum für alle. Da gibt es keine räumliche und seelische Enge. Da finden wir Geborgenheit und Schutz. Als Christinnen und Christen können wir nicht heimatlos werden. Für dieses Zuhause bei Gott haben wir einen Wohnberechtigungsschein. Bei Gott ist Platz!

Und doch gilt, dass viele Menschen nur schwer Zugang zu diesem „Zuhause“ finden. Viele Menschen empfinden, dass der Himmel verschlossen ist. Immer mehr Menschen streben im begrenzten Leben nach dem unbegrenzten Glück. Das Leben gilt für viele als „letzte Gelegenheit“.
Als Christinnen und Christen kennen wir die Sehnsucht nach einem Zuhause für die Seele und setzen uns dafür ein, dass Menschen dieses Dach für Leib und Seele finden. Wie damals der Evangelist Johannes weisen wir auf den offenen Himmel hin.

Dies geschieht
– wenn Mitarbeitende mit anderen das Leben teilen;
– durch Gruppenleiterinnen und Gruppenleiter, die sich jede Woche und oft genug noch am Wochenende Zeit für die Teilnehmenden nehmen;
– wenn für Kinder und Jugendliche eine Hausaufgabenbetreuung durchgeführt wird;
– wo Jugendliche miteinander Gottesdienst feiern;
– wenn die Begegnung mit einem anderen Menschen als Bereicherung des eigenen Lebens wahrgenommen wird.

Euer Herz erschrecke nicht! Glaubt an Gott und glaubt an mich! Zu dieser Haltung sind wir herausgefordert und gleichzeitig daran erinnert, dass Jesus alles Notwendige gibt. Mitten in die Ratlosigkeit, Ausweglosigkeit, Heimatlosigkeit gibt Jesus alles Not-wendige. Er selbst ist die Wende aller Not, aller Existenzangst.

– Der Weg ist da – mitten in den vielen Lebenswegen – nicht ausweglos.
– Die Wahrheit ist da – sie unterbricht unser Denken und weist zum Leben.
– Das Leben ist da.

Jürgen Kehrberger, Fachlicher Leiter des Evangelischen Jugendwerks in Württemberg

geschrieben am 01.01.2010 um 08:56 Uhr.


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