Meditationen
Von Gott will ich nicht lassen
Liedandacht zu EG 365
Lied singen (Strophe 1–4)
Zugegeben, eine alte Melodie und ein alter Text. Aber immer noch aktuell. Viele Menschen fühlen sich allein gelassen, isoliert und ausgegrenzt. Sie haben längst aufgegeben und resigniert. Sie haben kein Vertrauen mehr in Menschen und schon gar nicht in Gott. Harz IV und jede Menge anderer Einschnitte bestimmen ihr Leben. Es herrscht Orientierungslosigkeit und Zukunftsangst. »Wo ist denn dieser Gott, der alles so herrlich regiert?«, höre ich Menschen fragen. »Ich kann ihn nicht sehen!«
Ich erinnere mich an ähnliche Erfahrungen. Es gab Zeiten, in denen Gott mir unendlich weit weg schien. Das Lied spricht davon, dass Gott nicht von uns lässt. Deshalb sollen wir auch nicht von ihm lassen. Der Liedtext ruft uns zu, uns an Gott zu halten, ihm zu vertrauen, nicht aufzugeben. Allerdings verspricht uns Gott nicht, dass wir keine Probleme mehr haben, wenn wir mit ihm gehen und mit ihm und seiner Gegenwart rechnen. Die Beziehung zu Gott schützt uns nicht vor Krankheit, Leid und Not.
Aber Gott verspricht uns, dass wir nicht allein sind. Das ist das Entscheidende.
Und noch etwas, von dem besonders die 3. Strophe redet:
Meine Vorstellungen eines gelingenden Lebens müssen sich nicht decken mit Gottes Vorstellungen. »Er schaff’s, wie’s ihm gefällt«, heißt es da. Und das bedeutet, dass Gott alles in seinen Händen hält und mein Leben nach seinen Maßstäben gestaltet.
»Er wendet alles Leid«, heißt es im Text. Ich weiß nur nicht wann. Das macht unseren Glauben aus, dass wir nicht genau wissen, sondern
hoffen und vertrauen. Es ist eine Art Wagnis, das wir eingehen, wenn wir uns an Gott halten. Das Wagnis des Glaubens ist eine hohe Hürde, aber es lohnt sich, sie zu überspringen. Vielleicht braucht es mehr, als das schlichte Vertrauen zu Gott. Vielleicht brauchen wir Menschen, die uns zur Seite stehen, uns ermutigen, Freude und Leid mit uns teilen.
Vielleicht brauchen uns andere Menschen. Dann sollten wir uns bewegen und auf sie zugehen, uns Zeit nehmen, zuhören, helfen.
Ich wünsche uns, dass wir uns auf andere Menschen und auf diesen Gott einlassen, der verspricht, uns nicht zu verlassen. Gott wendet alles Leid. Darauf sollen wir vertrauen.
Quelle:
Andachten 2006
Evangelisches Jugendwerk in Württenmberg
geschrieben von Michael Püngel, ejw am 26.11.2005 um 17:20 Uhr.
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