Zur Jahreslosung 2006
Gedanken zur Jahreslosung 2006
Von Klaus Sturm, Leiter des ejw
Gott spricht:
Ich lasse dich nicht
fallen und verlasse
dich nicht.
Jos 1,5b
In einer Welt, die keine Sicherheit kennt, gibt es einen festen Halt. Vertröstung der Frommen, sagt sich der Spötter.
Die halten einfach nicht aus, dass alles sinnlos ist.
Heroisch steht er da und lebt trotzdem gegen seine Ängste an.
Man muss nur einen ethischen Sinn haben, eine humanistische Idee,
einen moralischen Plan, sagt der gute Mensch.
So ist er engagiert bei allem, was korrekt ist.
Ökologisch, friedenspolitisch, geschlechtergerecht.
Was soll’s, alles ist eh sinnlos, sagt der Illusionslose.
Er nimmt sich, was er im Leben bekommen kann.
Das nennt er dann: Erst Genuss, dann Schluss.
Alles ist so kompliziert, sagt der politisch Engagierte.
Er versucht, die politischen und sozialen Verhältnisse in den Mittelpunkt seines Lebens zu stellen. In Gewerkschaft oder Partei setzt er sich ein für gerechte Verhältnisse. Aber was ist wirklich gerecht?
Wir haben uns beide, sagt der Verliebte. Das ist meine Welt. Die Luft ist voller Rosen, solange du da bist. So versinkt die Welt um die zwei. Viele Variationen könnten noch aufgezählt werden.
Im Buch Josua ist es letztlich eine Landnahme, die von Gott angesagt wird. Man könnte als Böswilliger auch Landraub dazu sagen. Wer die religiöse Begründung nicht akzeptiert, denkt sich, da könnte ja jeder kommen und sagen: Mein Gott hat gesagt, dass euer Land jetzt uns gehört.
Die ersten Sätze des Buches Josua sind eine Provokation ersten Ranges für die im Land ansässigen Menschen. Es ist die Sicht aus dem Glauben des Volkes Israel, die in der Erwählung durch Jahwe gründet. Außerdem gab es damals eine ungleich geringere Besiedelung. Die »Königreiche« waren oft bessere Kleinverbünde von Dorfgemeinschaften. Doch wir können die Jahreslosung auch ganz persönlich als Zuspruch hören in einer ganz anders gearteten Umgebung als zu Josuas Zeiten.
Es geht um die Frage: Habe ich ein Grundvertrauen zu Gott? Als Christen haben wir die Geschichte Jesu vor Augen als Garant von Gottes Güte. Das Wort der Heiligen Schrift sagt uns etwas zu und schafft zugleich Wirklichkeit »Gott spricht: Ich lasse dich nicht fallen und verlasse dich nicht.« Das ist keine Vertröstung. Es kann trotzdem durch Schmerz und Katastrophen gehen.
Bei einer Wasserlandung wegen Treibstoffmangel bei den Komoren vor einigen Jahren, verursacht durch die Entführung eines Verkehrsflugzeugs, kamen viele Menschen um. Einige überlebten, da die Landung unweit des Strandes geschah. Ein Überlebender berichtete, dass auch ein Missionar an Bord war. Er hat die Passagiere aufgemuntert. Er hat gebetet. Er kam ums Leben. Es war zu spüren, dass er auf Gottes Hilfe vertraute, auch wenn es in den Tod ging.
Wer psychisch krank ist oder depressiv, kann eine solche Zusage schwer fassen. Aber es gibt Momente, wo es »wieder greift« wie nach einer Rutschpartie auf eisglatter Straße. Dann ist es wieder ganz neu erfahrbar, dass es heißt: Ja, Gott verlässt mich nicht!
Bei einer Bergtour kann ein solches Wort in einem ganz menschlich direkten Sinn Zuversicht stiften: »Ich lasse dich nicht fallen und verlasse dich nicht«. Da gilt es dann ganz handgreiflich. Die Sicherung über das Seil ist eine Hilfe vor dem Absturz.
Zuversicht – ein Wort wie aus einer anderen Welt, so scheint es manchmal. Warum ist in Deutschland die Zuversicht nicht so weit verbreitet? Oder ist es nur die veröffentlichte Meinung, die Diskussion in den Medien, die »nach unten« schreibt, redet, denkt? Es gibt wirklich Länder, die nur einen Bruchteil unseres Reichtums und unserer Möglichkeiten haben, dafür aber glückliche Menschen.
Eine gute Übung für dieses Jahr 2006: Zuversicht gewinnen, auf Gottes Verlässlichkeit vertrauen, auf seine Hilfe und seinen Halt bauen.
Liebender, barmherziger Gott. Bei dir bin ich geborgen,
du bist mein Halt und meine Zuversicht. Amen
Nichts soll dich ängsten/Nada te turbe, EG 574
Klaus Sturm
Aus:
Andachten 2006
Evangelisches Jugendwerk in Württemberg
geschrieben von Klaus Sturm, Leiter des ejw am 26.11.2005 um 17:16 Uhr.
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